Ich habe mein Kind nicht im Griff…

Einige von euch haben ja bereits Interesse an meinem großen Mama-Thema bekundet. Tatsächlich fiel es mir in der Akutphase schwer darüber zu schreiben: 1. Weil ich fix und fertig war. 2. Weil ich mich schämte.

Ein Post zu diesem Zeitpunkt hätte vielleicht die Intention gehabt, Bestätigung zu bekommen. Gleichzeitig finde ich die Situation aber so komplex, dass man es nur in sehr langen Beiträgen erklären könnte und dazu müsste ich auch viele Informationen über andere Mütter/Kinder veröffentlichen – was, auch wenn es anonym ist, irgendwie auch unschön ist. Ich möchte gar niemanden verurteilen (lassen), weil er so ist wie er ist. Insofern beschränke ich mich mal auf die äußeren Ereignisse und erzähle dann noch ein bisschen von uns.

Also: Ich hatte vor einigen Wochen ein Gespräch mit einer gut bekannten Mutter, die das Verhalten von Ole auffällig findet. Ihr Kind ist sehr ruhig, Ole sehr wild und so hat sie sich Sorgen um ihr Kind gemacht. Der Junge spielte meiner Ansicht nach gern mit Ole und hat auch selten geweint oder ähnliches, aber ihr war das alles zu wild. Ich fand alles normales Spiel und da auch niemand ernsthaft verletzt wurde bzw. in Gefahr war, griff ich nicht ein. Ich machte auch deutlich, dass ich das anders sehe und dass ich beim Spiel von Dreijährigen nicht mehr ständig reguliere. Tatsächlich ging sie so weit Ole Aggressivität zu unterstellen und machte es daran fest, dass wir mit ihm mit Waffen (Schaumstoffschwerter) Ritter und Pirat spielen. Sie forderte mich indirekt auf, das zu unterlassen, da das nicht altersgerecht sei. Da wurde ich dann etwas direkter und sagte ihr sehr sachlich, dass wir in diesem Punkt wohl nicht zusammen kommen und dass WIR MIT UNSEREM KIND spielen, was wir für richtig halten. Wohlgemerkt mit anderen Kindern dieser Altersgruppe hat er das noch nie gespielt! Ich würde auch sowas nicht mit Besuch spielen, wenn für die anderen Eltern ein Problem ist.

Jedenfalls war für mich damit die Sache vom Tisch. Allerdings erhielten wir einige Tage später von zwei weiteren (eigentlich befreundeten) Müttern einen Brief, in dem sie darauf eingingen, dass unser Sohn so anstrengend sei und dass wir ihn ihrer Meinung nach nicht im Griff haben. Immer wieder käme es zu brenzligen Situationen, in denen man nach den Kindern gucken müsse und ohne ihn wären die Spieldates viel schöner. Sie wollen ja niemanden ausschließen, aber auch nicht mehr mit uns spielen. (Interessante Logik)

Die Mütter der drei engsten Freunde von Ole haben ihm also von heute auf morgen „den privaten Umgang mit ihnen untersagt „. Was das für einen Dreijährigen bedeutet bzw. mit der Psyche eines Kindes machen kann, brauche ich keiner Mama zu erklären… Ich war aufgelöst und völlig am Ende. Gleichzeitig natürlich auch zweifelnd, ob wir irgendwas falsch machen, übersehen usw.

Wir redeten zunächst mit unseren Eltern, dann mit meiner Freundin und ihrem Partner (Kindergärtnerin, der Partner hat zwei fast erwachsene Söhne, von denen einer sehr lebhaft war). Sie bestärkte mich darin, dass Ole sehr weit, aber völlig normal entwickelt ist und ihrer Ansicht nach keine Auffälligkeiten zeigt. Sie empfahl zur Sicherheit mit dem Kindergarten zu reden, was ich gleich am nächsten Tag machte. Mit Oles Patin redete ich auch, sie macht gerade eine Weiterbildung zur systemischen Therapeutin und war nach einiger Zeit schon bei dem Schluss, dass es nicht ums Kind geht, sondern dass ICH hier gemobbt werde. Ich hatte den Gedanken natürlich auch mal, verwarf ihn aber wieder…

Im Kindergarten: Ich muss sagen unsere Erzieherinnen waren super. Ich hatte ein 90 minütiges Gespräch mit K und sie ging auf alle meine Fragen ein. Sie ist Zwillingsmama und erzieht klassisch/streng, weil sie sagt, dass es anders bei ihr nicht geht, hat aber anerkannt, dass unser Weg (beschreibe ich später) bei Ole anscheinend gut funktioniert und dass er im Kindergarten sehr gut hört und mitmacht. Sie hat ihn anfangs auch strenger angesprochen- was aber zu vielen Tränen und totaler Panik bei ihm führte, sodass sie ihn lange trösten musste, dann hat sie es mit ruhiger Erklärung und Lob versucht und es klappt. Er ist manchmal eben gefühlsstark/ impulsiv und auch durchsetzungstark und muss etwas beruhigt werden, aber er ist auch sehr kooperativ und sozial (beschützt kleinere Kinder, hilft anderen). Er versteht sich mit allen Kindern und zeigt keinerlei Aggressivität o.ä. Sie hatten tatsächlich schon solche Kinder, aber die verhalten sich ganz anders und da hätten sie uns schon informiert. Er ist halt sehr weit, gerade was Sprache, Phantasie, Geschichten usw. angeht, aber das ist ja schön und kein Problem. Sie konnten übrigens so viel sagen, weil sie Ole gerade eine Woche intensiv beobachtet hatten. (Erzieherin S rief mich am Folgetag sogar an, um uns persönlich nochmal in unserem Erziehungsverhalten zu bestärken und zu sagen, dass Ole ein ganz toller Junge sei. – Sie hatte gemerkt,wie verunsichert ich war… das fand ich superlieb!)

Ich war natürlich heilfroh. Dann erfuhr ich noch eine interessante Neuigkeit – die genauen Beobachtungen waren kein Zufall. Die drei Mütter hatten sich alle drei in der vergangenen Woche NACH MEINEM KIND erkundigt und wie es so läuft!😡 Die Mutter vom Gespräch hatte den Kindergärtnerinnen sogar ihre „Diagnose“ mit Hilfe ihrer privaten Beobachtungen erläutert. Die Erzieherinnen haben ihnen erklärt, dass es super läuft, die Kinder sich gut verstehen und dass Streit in dem Alter nunmal dazu gehört und auch von den Kindern selbst gelöst werden sollte. Auch dass Rollenspiele (mit „Waffen“) völlig normal sind, haben sie erläutert. Hierzu hatte ich der Mutter sogar schon zwei Fachartikel geschickt. Tatsächlich hat Erzieherin S Ihnen sogar explizit von so einem Brief angeraten, da das doch unter befreundeten Müttern doof sei… und sie haben Ole zur Sicherheit nochmal intensiv beobachtet. Jedenfalls hat eine der Mütter ihnen dann sogar vorgeworfen parteiisch zu sein und Ole absichtlich falsch zu beurteilen. 🤦‍♀️

Nachdem ich das alles wusste, erschien der Brief in einem ganz anderen Licht. Also obwohl Experten sagen, alles ist gut, kündigt man dennoch die „Freundschaft“… Tatsächlich hatten wir natürlich überlegt, dass es gar nicht an Ole liegt, aber einen Dreijährigen dafür büßen zu lassen, dass ich ein Problem mit den Eltern habe…sorry, aber das erschien mir zu perfide als dass ich das glauben wollte! Und ja, das ist der Punkt über den man jetzt auch urteilen darf…

Wie jemand erzieht, ist meiner Meinung nach seine Privatsache und deswegen möchte ich darüber nicht urteilen. Allerdings bin ich der Meinung, dass ihr Hauptproblem meine bzw. unsere Art der Erziehung ist. Oder dass wir einfach doof sind … 😜 was wir erzieherisch hier für crazy Sachen machen, erzähle ich euch im nächsten Post. Jetzt seid ihr ja erstmal im Bilde…

PS: Oles Patin riet mir noch den Kontaktabbruch als Chance für Ole zu sehen, in einem neuen System eine andere Rolle auszuprobieren zu können. Tatsächlich hatten wir nun ein paar andere Spieldates, die – zufällig/ alles eine Phase!!! – wirklich ganz entspannt waren und bei denen Kinder lachend durch unseren Garten tobten und sich als Ritter und Piraten mit Schaumstoffschwertern und Poolnudeln „bekämpften“. Diese Konstellation ist leider nicht so oft „verfügbar“ wie die Gruppe davor und Ole fehlen seine Freunde natürlich trotzdem- was manchmal auch sehr traurig ist- aber bisher konnten wir ihn mit vielen Unternehmungen und anderen Treffen ablenken. Im Kindergarten sieht er die drei anderen Kids ja zum Glück noch.

12 Gedanken zu “Ich habe mein Kind nicht im Griff…

  1. Das tut mir sehr Leid für deinen Sohn, ich bin einfach nur entsetzt. Für mich war auch direkt klar, hier geht’s um dich und nicht um deinen Sohn. Ich finde es nur so traurig, dass hier ein 3 jähriges Kind als Sündenbock herhalten soll. Sei froh, dass du solche „Freunde“ los bist. Das würde immer und immer wieder zu Problemen führen und der kleine bekommt ja auch schon viel mit. Es wird besser so sein, auch wenn es erstmal traurig für den Jungen ist.

    LG und lass dich nicht unterbuttern

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  2. Ach du sch**** 😳
    Oh Mann das tut mir so so leid, dass ihr und vor allem Ole sowas durchmachen musstet/müsst.
    Was läuft denn bei denen bitte falsch?
    Einfach nur heftig…

    Vor allem, dass es so von jetzt auf gleich kam.

    Ich bin gerade echt geschockt von der Story…

    Und wie man so wenig Selbstreflektion haben kann ist mir einfach nur ein Rätsel. Dass selbst wenn die Fachpersonen (die die Kinder ja jeden Tag mehrere stunden zusammen spielen sehen!) sagen, dass kein Problem da ist, man immer noch der Meinung ist im „Recht“ zu sein und 0 zu überlegen, ob man vielleicht doch falsch reagiert haben könnte zeigt doch schon alles…

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  3. Ehrlich gesagt macht mir so ein Beitrag total Angst. Angst davor Mutter zu werden. Ich habe keine Angst vor durchwachten Nächten oder Trotzphasen, sondern vor solchen Müttern. Ich finde generell das sich (vor allem!) Mütter heute viel zu wichtig machen und sich viel zu viel (!!!) in Spiele zwischen Kleinkinder einmischen. Daran kann ich mich in meiner Kindheit nicht erinnern ( und ich bin noch keine 30). Die Mütter machen es sich anscheinend zu Lebensaufgaben ihr „Wunder“ durch die Kindheit zu begleiten und nehmen dabei keinerlei Rücksicht auf Gefühle anderer. Die Aktion von den Müttern war unter aller Kanone.
    Auch als eine andere Mutter hier das mit der Frisur schrieb war mein erster Gedanke ( bevor ich den Beitrag zu Ende gelesen habe) „Der Junge ist der Sündenbock und misch dich nicht ein, verdammt! Mach deine Tochter stark und selbstbewusst aber misch dich nicht ein“.
    Es scheint als hätten die meisten Mütter keine eigenes Leben mehr, ein Kind zu benutzen um einen Konflikt (?) mit dir auszufechten ist nur das Tüpfelchen auf dem I.
    Ich rede von WhatsApp-Gruppen wo systematisch Lehrer schlecht gemacht werden und darüber diskutiert wird ob die Aufgabe in der Arbeit ihrer Sonnenscheine wirklich gut gestellt war, wie sonst könnte der kleine Augenstern eine 5 schreiben?!? Es kann nur an der Lehrerin liegen! Ich rede von Wettkämpfen wer den schönsten Kuchen auf dem Kindergarten/Schulfest backt, auf keinen Fall eine Backmischung! Pfui!!!
    Ich rede von Einmischung in Spielen, von Fertigung von Projekten die die Kinder machen sollten, von fahren zur Schule obwohl diese nur 500 m entfernt liegt, und der Oberbringer: eine Kollegin hat ihrem 17 (!!!) Jährigen Sohn alle Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz abgenommen und dann bei WhatsApp im Status gepostet wir Stolz sie auf ihn ist das er einen gefunden hat!
    Damit will ich sagen: Mütter/Väter/Elternteile lasst eure Kinder alleine machen! Sucht euch ein anderes Hobby! Werden keine Makis. Meine Güte und lasst das Bashing von anderen Müttern!

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    • Ja das ist das Traurige, wenn man sich irgendwann nur noch über sein Muttersein definiert und darin „besser sein will“ als die anderen.

      Jede von uns macht Sachen gut und schlecht- keine ist perfekt. Ich finde es einfach schade, dass es kein Gespräch gab und dass sie nicht bereit sind, ihr Verhalten zu reflektieren.

      Aber solche Leute triffst du im Berufsleben wie auf dem Spielplatz. 🤷‍♀️

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  4. 😱😱😱
    Das ist ja echt das Letzte. Wie kann man nur so sein? Dieser Brief und auch das sie die Erzieherinnen auf Ole „drauf angesetzt“ haben. Ich bin echt fassungslos.

    Toll das ihr so eine Rückhalt im Familienkreis habt und so tolle Erzieherinnen!! ☺️
    Auch super das die anderen Spieldates so gut liefen!

    Tut mir sehr leid für Ole und auch für dich/euch! 😔

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  5. Finde das unfassbar, wie die Damen sich verhalten haben. Noch bevor ich beim Lesen im nächsten Absatz angekommen war, dachte ich mir, dass das voll die Mobbing-Aktion ist. Obwohl mein kleenes Froillein eine wilde Matilde ist, hatte ich mit ihr nie größere Probleme, was Spielfreundschaften betraf. Ich glaube aber auch, dass das stark vom Umfeld abhängt, wie stark ein Kind als wild empfunden wird. Im badischen stieß Froilleins Temperament auf viel positive Resonanz, während hier im Osten Kinder, die ähnlich ticken, schon als ADHS-Fall gelten. Eine Bekannte traut sich mit ihrem Sohn schon nicht mehr auf den Spielplatz und nun hat der arme Junge den Stempel aufgedrückt bekommen und kommt aus der Nummer nicht mehr raus.
    Ein anderes Beispiel ist ein Junge aus Froilleins alter, badischer Kita. Der war aber tatsächlich aggressiv und extrem frech. Ich weiß noch, wie ich der Kleenen eine Frisur geflochten hatte, um die sie mich gebeten hatte. Nach einem Blick in den Spiegel fing sie plötzlich an, zu weinen und meinte, der M. würde sie auslachen. Ich war total sauer, weil dieser Junge sich gefälligst nicht über meine Tochter lustig machen sollte. In der Kita sprach ich die Erzieherin darauf an, die M. im Auge behalten wollte. Am Abend gestand mir meine Tochter, dass sie die Frisur einfach blöd fand und M. „benutzt“ hat, damit ich nicht traurig bin. Da wurde mir klar, dass das schon häufiger vorgekommen sein musste. Ganz oft wurde der Junge zum Sündenbock erklärt. Könnte es sein, dass das bei euch ähnlich gelaufen ist? Ole ist offensichtlich einfach nur aufgeweckt und ganz und gar nicht wie M. Dennoch könnte es ja sein, dass seine Freunde ihn vorschieben, um eigene Wünsche und Bedürfnisse zu rechtfertigen, von denen sie spüren, dass sie ihre Eltern damit enttäuschen könnten. Und klar, Eltern misstrauen ihren Kindern oft nicht und trauen ihnen so viel manipulatives Vermögen gar nicht zu.
    Die Idee mit dem neuen Spielumfeld finde ich gut. Das ist definitiv eine Chance für euren Sohn, sich neu zu erfinden und vielleicht harmoniert es zwischen den Kindern einfach besser.
    Viele Grüße

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    • Hallo.

      Es steckt viel Wahres in dem was du sagst. Zum einen der Kultur-Unterschied zwischen Ost und West – ich erlebe ihn ja täglich und unsere (gerade noch DDR-Generation) wurde einfach „systematischer“ erzogen und musste hauptsächlich funktionieren. Froh bin ich, dass unsere Erzieherinnen den Stempel stecken lassen- zumal man auch sagen muss, dass es Blödsinn wäre,denn Ole kann auch stundenlang stillsitzen und sich echt gut konzentrieren. Aber wenn er rumtobt, dann eben richtig. Und wenn er sich konzentriert, dann eben auch komplett fokussiert.

      Auch das mit dem „Sündenbock “ sehe ich aus verschiedenen Gründen auch so und ich glaube, wenn die Mamas die Situation IHRER Kinder (schlecht eingewöhnt, gerade Geschwisterchen bekommen usw.) reflektieren würden, könnten sie das auch erkennen. Sagen brauche ich es nicht, denn ich glaube, sie wollen es gar nicht erkennen…

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  6. Ich bin etwas fassungslos ob des Verhaltens der anderen Mütter. Selbst wenn ein Kind „wild“ ist oder es Differenzen in Erziehungsfragen gibt, dann zerstört man keine Kinderfreundschaften, sondern gestaltet Treffen so, dass es für alle passt bzw. rückversichert sich, dass man auf seine Art miterzieht… Zumindest in der konkreten Situation. Sei froh, dass du mit diesen Personen keinen Umgang mehr pflegen musst.

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    • Ja das hätte ich mir auch gewünscht, ich war vor allem so getroffen, weil es vorher nie ein Thema war bzw. es nie als problematisch thematisiert wurde. Ich war der Meinung: mein Kind ist so, andere Kinder sind anders und jedes Kind hat mal anstrengender und entspanntere Phasen… aber wie sagt man: Enttäuschung ist auch das Ende der Täuschung.

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