Unerzogen bzw. Erziehen durch Einsicht

Ich hatte ja versprochen hier kurz darzulegen, womit ich mich die letzten Wochen gedanklich beschäftigt habe … ich schreibe seit 3 Wochen an dem Beitrag und muss ihn jetzt einfach mal rauschicken 🤦‍♀️. Tatsächlich gelingt es mir bisher noch nicht so richtig, das Konzept „unerzogen – so wie ich es verstehe“ darzulegen. Andererseits ist „unerzogen“ auch eher ein Modebegriff – meine Kollegin, die bei uns Pädagogik/Psychologie unterrichtet, nannte das was wir machen „Erziehung durch Einsicht “ und das ist für mich auch die treffendere Begrifflichkeit. Ich habe übrigens nach dem Brief von den anderen Müttern mit einigen meiner Kolleg*innen und mit etlichen Erzieherinnen geredet – und natürlich gibt es auch unter Pädagogen eine große Bandbreite von Erziehungsstilen. Auffällig ist, dass unter Fachleuten niemand versucht andere zu missionieren. Etwas, dass in Alltagsgesprächen ja doch manchmal vorkommt. So nach dem Motto: „So darf man das aber nicht machen!“. Dabei steht doch fest, jede Familie und jede Situation ist anders. Die folgende Ausführung sind also auch bitte nur als Inspiration zu verstehen!

Ich befinde mich noch immer in der Findung, was ich vom Unerzogen-Konzept im Alltag umsetzen kann – das stellt manchmal auch eine echte Belastungsprobe dar, auch mit dem Lieblingsmann, der zwar nicht „streng“ ist, aber doch erwartet, dass Ole spätestens nach der 3. liebevollen Aufforderung oder dem dritten Kompromissvorschlag „funktioniert“. Funktionieren bzw. Hören/Gehorsam sein sind aber nun mal eher Aspekte der klassischen Erziehung (Lob/Strafe)

Gut wird jetzt die ein oder andere denken. Wenn das eh nicht so richtig umsetzbar ist und wenn das auch noch zu Beziehungsstress führt, warum verdammt macht sie es dann? Die Antwort: weil sich die Alternative kacke anfühlt!!! Ja ich kann klassisch „streng“ oder nehmen wir den Modebegriff „konsequent“ erziehen. Ich kann das auch durchziehen. Ich bin schließlich vom Fach und habe das anfänglich auch beruflich so gehandhabt. Aber es gab immer wieder Schüler, meist sind es Jungs, deren Willen man nicht brechen konnte. Ja liebe Leser*innen- erziehen im klassischen Sinne heißt bisweilen Willen brechen. „Machtkämpfe“ führen etc. Ich habe schon Schüler wenige Tage vorm Abitur (fast) von der Schule werfen lassen, weil keiner von uns beiden nachgeben wollte… der Ausweg war dann, dass sie in meinem Unterricht krank machen, damit ich ihnen nicht noch einen Verweis für ihr Verhalten gebe. Jedenfalls habe ich vor etwa 5 Jahren langsam meinen Stil umgestellt und stellte überrascht fest, dass auch der kooperative Weg gut klappt und ich damit sogar eben solche Charaktere manchmal erreiche – wofür ich mir dann stets selbst auf die Schulter klopfe.

Tja und dann kamen die ersten „Machtkämpfe“ mit Ole und mein Kind erwies sich als stur, geradezu störrisch. Er lag teilweise ewig (teilweise über eine Stunde!) weinend, schluchzend im Flur oder sonst wo, weil ich mir vornahm „konsequent“ zu bleiben. Meine Schwiegermutter erzählte, dass der Lieblingsmann in dem Alter regelmäßig blau anlief, weil er so schrie und im Kindergarten mal fast umgefallen wäre. Ich erinnerte mich an die Stunden, die ich alleine auf meinem Zimmer verbracht habe, weil meinen Eltern mein „Geheule“ zu viel war. Ich erinnerte mich an das Gefühl von Einsamkeit und dass ich als Kind oft dachte, dass Eltern so nicht sein sollten. Ich erinnerte mich an den unbedingten Wunsch wieder geliebt werden zu wollen und daran, dass dies nur spürbar war, wenn ich „funktionierte“. Ich wuchs die ersten 3 Jahre bei meinen Großeltern auf und erlebte dort eine klassische 60er-Jahre Erziehung. Auch später war meiner Mutter BEZIEHUNG oft zu anstrengend und ich war sowieso schon auf Funktionalität gepolt. Heute kann ich genau sagen, inwiefern mir das geschadet hat und welche meiner Schwächen damit in Zusammenhang stehen. Wer behauptet, ein Kind irgendwo stehen zu lassen, weil es nicht mitkommt oder es zu erpressen schade nicht, der lügt sich einfach selbst in die Tasche. Sorry! Ja es wird nicht zwangsläufig zum emotionalen Krüppel, aber toll ist das definitiv auch nicht. Und so bleibe ich jetzt nicht mehr ganz so strikt bei meiner Haltung, sondern erkläre mehr, bleibe, wenn Ole es zulässt, in Beziehung bzw. offen, tröste und versuche einen Deal zu finden, der für beide Seiten passt. Und wenn man selbst nicht so erzogen wurde, ist es ehrlich gesagt sehr sehr anstrengend gegen sein inneres Programm anzukämpfen. Sollte das für euch also völlig normal sein so zugewandt zu bleiben, dann sagt euren Eltern mal Danke dafür. 😉 Ich frage mich in Konfliktsituationen manchmal ernsthaft, WARUM will ich das jetzt so? Und muss das wirklich genauso laufen, wie ich es will? Oft lautet die Antwort: nein, muss es nicht. Das heißt übrigens nicht, dass Ole jetzt alles darf! Ich praktiziere keine echtes „unerzogen“ bzw. laissez faire, sondern wie gesagt Erziehung durch Einsicht! Wir versuchen Ole sogut es geht alles zu erklären und setzen auf seine Kompromissbereitschaft. Das klappt mal gut und mal gar nicht… 😅 wie alles mit Kindern. 😉

Und dann kam zu meinem Wandel noch der Faktor Spielplatzerziehung hinzu. Im Beisein von anderen Müttern ahndete ich Fehlverhalten noch strenger. Tatsächlich hat sich hier so eine Erwartungshaltung entwickelt: Ein Kind benimmt sich daneben – dann muss man schon so erziehen, dass die Mütter drumherum es auch mitbekommen. Immer mehr verlor ich die Beziehung zu Ole und immer öfter fühlte ich mich schlecht, wenn ich schrie und nach Spieldates war ich fast ausgelaugt. Hinzu kam, dass mich das Gefühl beschlich, dass die anderen Müttern gern zunächst bei Ole den Fehler suchten, teilweise sogar ihn zurechtwiesen statt das Verhalten ihrer Kinder zu hinterfragen. Anfangs ging ich sogar noch auf ihre „Anschuldigungen“ ein, versuchte Ole noch besser im Griff zu haben, war bei Treffen unheimlich angespannt immer dazwischen zu gehen. Dann ging es soweit, dass eine Mutter regelmäßig sagte, Ole hätte ihrer Tochter im Kiga wehgetan, sie hätte zuhause geweint. Ole stellte es oft als normalen Streit dar oder wusste gar nichts davon. Ich fragte ihn täglich nach dem Kindergarten aus, ob etwas vorgefallen war… unsere Beziehung war im Eimer!

Zum Glück trat ich irgendwann einen Schritt zurück. Atmete durch, überlegte. Nachdem die Mutter wieder behauptete, ihre Tochter hätte wegen Ole geweint, an einem Tag, wo ich ihn früher geholt hatte und die Story ziemlich unwahrscheinlich klang, wendete ich mich an den Kindergarten. Das war etwa im März. Ich bat um ein Elterngespräch und hatte ein tolles Telefonat mit der Erzieherin. Sie erklärte mir, dass es sich bei allen „Vorfällen“ um stinknormale Streitigkeiten unter Dreijährigen handele, bei denen alle gleich stark sind und bei denen jeder mal anfängt. Also normale Gruppenprozesse und entwicklungskonform. Ich bat darum, dies auch der anderen Mutter zu sagen. Was auch geschah. Dennoch kamen von ihr regelmäßig Nachrichten mit Beschwerden. Ich sagte dann sehr deutlich, dass für mich die Sache seit dem Kindergartengespräch geklärt sei. Solange ich nichts vom Kindergarten höre, sind es für mich normale Streitereien und ich werde Ole nicht permanent nachmittags befragen oder voll quatschen bezüglich des Kindergartens. Besagte Mutter ist eine der Briefschreiberinnen.😉

Jedenfalls zog ich mich aus dem Mütterwahnsinn zurück. Mischte mich auf dem Spielplatz nur noch ein, wenn wirklich Gefahr im Verzug war. Auch hier hörte ich auf Ole anzuschreien, wenn er etwas falsch macht, nehme ich ihn ruhig zur Seite und erkläre, warum man sich so nicht verhalten darf, z.B. wenn du die Rutsche absperrst,dann tut sich vielleicht jemand weh oder wenn du die anderen ärgerst/schubst/mit Sand bewirfst usw. dann macht es ihnen keinen Spaß und dann wollen sie nicht mehr mit dir spielen. D.h. ich verbiete Sachen nicht per se, sondern erkläre ihm, was die (eventuellen) Folgen seiner Handlung sind. Und das mache ich so leise, dass es nicht alle mitbekommen. Und solange seine Spielpartner gleichaltrig oder älter sind, also weglaufen können oder Nein bzw. Stopp sagen können, sehe ich auch keine Notwendigkeit da sofort aufzuspringen.Wenn kleinere Kinder dabei sind, dann erinnere ich ihn meist daran, dass sie schwächer sind und er nimmt dann automatisch Rücksicht.

Ich gebe hier meinem Kind eine gewisse Freiheit und auch Selbstbestimmung. Ich baue darauf, dass er selbst erkennt, was der passende Weg ist. Dazu ist (m)ein Dreijähriger durchaus in der Lage! Noch deutlicher wird das vielleicht in Bezug auf sich selbst. Im Urlaub wollte er jetzt ganz oft keine Schuhe tragen. Wir haben zunächst neue Schuhe gekauft, weil wir dachten, dass die Alten drücken. Allerdings gab es dann noch immer Momente, wo er strümpfig/barfuß gehen wollte. Wer hier schon länger liest, weiß vielleicht noch, dass auch ich sehr ungern Strümpfe trage und daher vollstes Verständnis habe. 😉 Jedenfalls habe ich ihn dann einfach machen lassen, statt mich einer sinnlosen Auseinandersetzung hinzugeben. Manchmal pieksten ihn die Steine so schnell, dass er nach 2 Schritten freiwillig Schuhe forderte, einmal ging er 100 Meter ohne Schuhe über Split, einfach weil er es partout wollte! Ich schaute natürlich mit Argusaugen auf seinen Weg, aber ganz ehrlich, auch am Strand kann eine Scherbe liegen oder eine Biene in der Wiese… und ja, er hatte nach 2 Stunden ohne Schuhe bei 20 Grad kühle Füße, aber auch hier ist meine Angst vor einem Schnupfen nicht gerechtfertigt, um ihn in Schuhe zu zwingen – wie auch,ohne Gewalt?! Mein Mann trägt fast immer viel weniger Kleidung als ich und ihn nötige ich ja auch nicht eine Jacke/lange Hosen anzuziehen. Außerdem kann man Füße genauso lange wie Hände unbekleidet lassen. Ich hatte mal einen Schüler, der immer barfuß ging. Immer! Und einen Mitschüler (Lehrerkind), der immer kurze Hosen trug. Und täglich 4 Tafeln Schokolade aß. Er ist jetzt glaube ich Mathe oder IT Professor. 😅 Natürlich gucken manche Mamas etwas komisch, wenn man einen Dreijährigen fragt, ob er nun Schuhe haben möchte und sich mit einem Nein zufrieden gibt. Aber es ist eben tatsächlich keine rhetorische pädagogische Frage, sondern eine ernsthafte. Und ich akzeptiere dann auch eine ernsthafte Antwort.

Nichtsdestotrotz gibt es Situationen, wo ich „Gefahr im Verzug“ sehe. Z.B. wollte er mitten in der Großstadt ohne Schuhe laufen, das haben wir dann schon untersagt und ihn in den Wagen gesetzt bzw. getragen. Wenn es richtig kalt ist, erkläre ich ihm dann auch, dass de Schnupfen an kalten Füßen hochkriecht oder wenn er keine Zähneputzen will, zeige ich ihm nochmals das Video zu den PochPochMännchen (Es war einmal das Leben – der Mund)… und bisher kam dann immer die Einsicht. Aber ich putze nicht mehr mit Gewalt oder ziehe ihn gewaltsam an! Er kann seine Dilemma auch klar artikulieren: „Mama ich will nicht putzen, aber ich will auch keine Zahnschmerzen. “ Wir reden dann darüber, dass man sich in solch einer Situation eben entscheiden muss. Auch als Erwachsener. Wie viele erwachsene Frauen tragen zum Wetter unpassende Kleidung, nur weil sie das Outfit gut finden? Wie viele putzen keine Zähne, weil sie zu müde sind? usw. Man muss als Eltern keine Grenzen oder Konsequenzen erfinden. Das Leben setzt uns allen genug Grenzen- wir müssen sie unseren Kindern nur zeigen.

Keiner von uns verhält sich tolerant oder demokratisch, „weil xy sagt es sei gut“, sondern aus Einsicht, dass es gut ist! Und auch nur dann, wenn diese Einsicht wirklich verinnerlicht wurde. Wenn man also möchte, dass das Kind Körperhygiene oder Ernährung gut umsetzt, dann muss man es zur der Einsicht befähigen. Und dies kann man nur durch Erklärungen. Und auch ein Dreijähriger weiß, wenn ich Schnupfen habe, ist das doof. Also muss er das Dilemma: Ich möchte mich nicht anziehen, ich möchte aber auch keinen Schnupfen selbst lösen. Sicherlich ist im Alltag nicht immer Zeit für lange Erklärungen, aber je mehr das Kind gewohnt ist, dass es „einen guten Grund“ für die elterliche Empfehlung gibt, umso eher verzichtet es im Stress auch mal darauf. Und ja: Es gibt Situationen, da setzen wir uns nach dem dritten Versuch einfach durch, weil wir z.B. gerade Zeitdruck haben oder weil es sonst zu gefährlich wird. Aber wir versuchen diese Situationen wirklich gering zu halten. Wir versuchen „Wenn …, dann… “ Drohungen zu vermeiden. Wir versuchen nicht laut zu werden (für mich die schwierigste Übung).

Insgesamt finde ich die Haltung von „unerzogen“ einfach super und ich glaube in einer Aussteigervariante funktioniert sogar Ruths extreme Idee des kompletten Verzichts auf Erziehung. In unserem deutschen Alltag bleibt das wohl für viele utopisch, jedoch finde ich ihre Ideen trotzdem lohnenswert für die eigene Reflexion, weswegen ich euch einige Videos verlinke. Ich mag ihre philosophischen Gedanken und finde (als Ethiklehrerin) viele Ansatzpunkte für mich. Übrigens habe ich mich schon mal vor ca. 2 Jahren mit ihr und „unerzogen“ befasst und es für totalen Blödsinn gehalten…🤣 und hätte ich ein Kind mit weniger Willenskraft, wäre ich vielleicht auch bei der klassischen Erziehung geblieben. Wobei ich gerade diesen Aspekt interessant finde, nur weil das Kind nicht so offen aufbegehrt, heißt das ja nicht, dass diese klassische Erziehung ihm gut tut bzw. es nicht gut wäre, sein Selbstbewusstsein zu stärken.

Und für alle Neugierigen nun einfach ein paar Videos und Artikel zum drüber philosophieren…

Der Kompass – Kinder brauchen Konsequenzen? Dieses Video bzw. Diese Erklärung – Gerade was den Wertekonflinkt angeht, beschreibt sehr gut, was in mir vorging und was gelebte Ethik bedeutet. 😁

http://elternmorphose.de/wenn-du-in-die-pfuetze-springst-gehen-wir-nicht-auf-dem-spielplatz-warum-mit-konsequenzen-meistens-strafen-gemeint-sind/

Unerzogen – Miniandme

Mama nicht schreien 1

Mama nicht schreien 2

Der Kompass – Verantwortung

30 Gedanken zu “Unerzogen bzw. Erziehen durch Einsicht

  1. Hallo ich wusste vor deinem Beitrag gar nicht das dieser Stil einen Namen hat.
    Wir praktizieren Ihn Dank gefühlstarkem Wunschkind so wie ihr in praktiziert.
    jedoch erfuhren wir vor ein paar Tagen was eine andere (Fehl-)Interpretation dieses Erziehungstil sein kann. Ich habe es direkt an dem Tag festgehalten damit ich es nicht vergesse und möchte dich teilhaben lassen.
    Heute waren wir zum Spielen mit einer Kindergartenfreundin (5J)verabredet. Vorgeschichte bei der Eingewöhnung letztes Jahr die bei meiner Tochter (grade 4) sehr lange dauerte erging es einer Mutter ähnlich, dadurch lernten wir uns kennen. Wobei, unser Ansatz war recht unterschiedlich. Ich versuchte meine Tochter zu bestärken es zu probieren blieb aber 31/2 Woche dabei damit sie immer wenn es nicht mehr ging aus der Gruppe zurück zum sicheren Hafen kehren konnte. Ihre Tochter durfte komplett selbst entscheiden und wenn sie nach 10 Minuten nach Hause wollte dann ging die Mutter ebend mit ihr. Dies am Rande. Jeder hat seine Methode wir trafen uns nach der Eingewöhnung recht bald bei uns. Die Kinder spielten und es waren 2 nette Stunden. Dann sagte das Mädchen Mam Ich geh nach Hause und lief zur Tür. (Das auch nur als Hinweis da es jetzt wie ein leuchtendes Warnzeichen bei mir aufploppte) die Mutter verabschiedete sich mit dem Hinweis das es ja das erste Treffen sei recht schnell und schwupp waren sie aus der Tür.
    Durch Corona etc. trafen wir uns nicht mehr immer kam eine Krankheit dazwischen wobei Sie öfter fragte es ging nicht von mir aus. Nun waren wir heute bei dem Mädchen eingeladen. Die beidem spielten wenn auch verhalten und sehr unterschiedlich. Daher machten wir einen Spaziergang im nebenstehenden Wald. Hier kapselte sich das Mädchen ab und machte zunächst ihr eigenes Ding auf meine Tochter die sie in eine Höhle einlud oder zum klettern animierte ging sie nicht ein. Ich reguliert und bat mich an in die Höhle zu kommen natürlich fragte meine Tochter trotzdem das Mädchen aber sie wollte nicht. Da meine Tochter feine Antennen hat wurde Sie ab da unruhig und meckert beim weiteren Spaziergang ich hatte meine liebe Not sie bei Laune zu halten auf dem Rückweg forderte das andere Mädchen zu Wettrennen auf, wobei meine Tochter noch versuchte mit zu machen aber jedes mal verlor. (Ein Jahr jünger) Das frustet Sie und ich nahm meine Tochter beiseite und sagte sie müsse nicht mitmachen wenn sie nicht möchte. Sie kam an meine Seite , so gingen wir zurück in den Garten. Die Laune war wieder okay auch zwischen den Mädchen. Im Garten angekommen (vom Wald kommt man erst in den Garten dann am Haus vorbei) sagte das Mädchen zu seiner Mutter im gehen, ich gehe jetzt rein zu Papa und lief einfach den Weg zum Haus weiter ohne sich um zu drehen
    Die Mutter sagte völlig unüberrascht und quasi beiläufig zu ihr: Ja du möchtest rein okay, sag noch tschüss rief sie ihr hinterher. Das Mädchen ging weiter ohne sich auch nur uns zuzuwenden murmelte etwas und war weg. Meine Tochter und auch ich waren natürlich total perplex. Sie dachte das Mädchen wolle zum spielen rein und wir sollten folgen, ich sagte ihr nun das ginge nicht. Natürlich fing sie an zu weinen bitterlich. Wir waren abserviert worden. Die Mutter stand daneben und sagte tut mir leid ich find das auch doof aber da kann ich nichts machen. Ich hörte mich noch sagen so etwas kennt meine Tochter so nicht und zu meiner Tochter ich kann dich verstehen aber wir müssen jetzt gehen. Ich wollte nur noch weg von dieser unfassbare Szene und meine Tochter war völlig aufgelöst. Ich nahm meine Sachen und trug sie den steilen weg nach unten während sie weinte und weinte, unten angelangt sah ich wie die Mutter meine Tochter total entfremdet / entgeistert ansah so nach dem Motto was ist das denn für ein Aufstand. Ich fragte ob sie hier rein gehen würde (hinterm haus) und sie sagte nein ich bringe euch zum Auto und gehe vorne rein. Ich sagte ihr darauf hin nur noch danke und ich gehe alleine zum Auto. Eine viertel Stunde habe ich meiner Maus gut zugeredet bevor wir fahren konnten.
    Erst zu Hause wurde mir klar das ist der völlig konsequente meiner Meinung nach fehlinterpretierte oder zu heftige Erziehungsstil von Unerzogen der da bei diesem Kind gelebt wird. Auf Grund dessen wurde meine Tochter hier zum Opfer oder viel. zur Zielscheibe? Um diese Haltung umzusetzen muss ganz klar nur das Eigene Kind im Fokus stehen.
    Ich bin nach wie vor immer noch am Kämpfen mit dieser Situation.
    Ist das wirklich „richtig“ (im Sinne dieser Erziehungsstiles gewesen)
    Lässt das konsequente unerzogen keinen Raum für Mitmenschen und deren Bedürfnisse.
    Werden diese Kinder zu unhöflichen Menschen ?
    Ich hoffe die Seele meiner Maus hat keine Schaden genommen. Man stelle sich vor sie wäre alleine zu solch einem Spieledate eingeladen gewesen!
    Zu guter letzt bekam ich nun noch
    eine Whats App von der Mutter, sie hoffe es ginge meiner Tochter wieder gut und es hätte ihr bis dahin gefallen und ob ich sauer wäre sie hätte am Ende den Eindruck gehabt.

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    • Liebe Grauezelle, das klingt nach einer sehr anstrengenden Begegnung für euch alle und nach einem traurigen Nachmittag. Das ist natürlich blöd. Für alle Beteiligten. Und doch: Es ist nur EIN Erlebnis in einem Meer voller Bestätigung und schönen Erlebnissen. Ich bin mir sicher, dass deine Tochter diesen Tag zwar doof fand, aber auch etwas Wertvolles gelernt hat: Auch doofe Momente gehen vorbei, auch schlechte Gefühle kann ich aushalten und es gibt Menschen, die mich lieben und dabei unterstützen. Für eure Beziehung war das also – bei aller Schwierigkeit- auch ein guter Tag.

      Was ich persönlich als unglücklich empfinde, ist deine Tochter als Opfer oder Zielscheibe zu titulieren, das nimmt ihr den Handlungsspielraum, den sie hat und macht das andere Kind zum Täter. Aber es ist eben auch nur ein Kind. Unschuldig und unwissend.

      Vermutlich hätte ich als andere Mutter etwas reguliert und erklärt, dass das Besuchskind sicher traurig ist, wenn man einfach weggeht bzw. dass es sich hier nicht auskennt und mein Kind aufgefordert dem Besuch irgendetwas zu zeigen… allerdings hätte auch ich mein Kind nicht zum Spielen genötigt. „Nein heißt nein“ ist ein Konzept, das auch unser Kindergarten vermittelt. Und manchmal möchte jemand anderes nunmal nicht mit uns spielen. Das ist traurig und schade, muss aber akzeptiert werden und sollte nicht auf den eigenen Selbstwert bezogen werden.
      Tatsächlich klappt das hier gut. Ole wird aufgrund seiner emotionalen Art teils auch abgewiesen und konnte Dank liebevoller Begleitung nun echte Freunde finden, die ihn mögen, so wie er ist und das ist so viel wertvoller als „Höflichkeitsspiele“.

      Die Mädels hatten ja keine freie Wahl. Ihr Mütter habt sie zusammengebracht. Es passte nicht. Schade.

      Ich persönlich finde meine Lebenszeit mittlerweile auch zu schade, um ganze Nachmittage oder Abende mit Leuten zu reden, die ich nicht sympathisch finde. Höflichkeit geht bei mir 15 Minuten und dann verabschiede ich mich diplomatisch. So viel Diplomatie kann man von einem Kindergartenkind vermutlich nicht erwarten, auch nicht nach Erklärung…

      Ich hoffe euer nächstes Spieldate ist schöner und dass deine Tochter bald guten Anschluss findet. Alles Gute!

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      • Danke für deine objektive Antwort, ja unsere Beziehung geht gestärkt daraus hervor und ein Opfer ja du hast recht ist Sie nicht. Ich war ja da und habe noch gut begkeiten können. Das andere Kind ist definitiv in meinen Augen auch kein Täter sondern handelt wie es es gelernt hat nach seiner Erziehung.
        Täter in diesem Sinne wäre wenn überhaupt die Mutter, ich bin nur erschrocken das die Mutter ein regulieren nicht für nötig gehalten hat. (Daher Kämpfe ich mit mir seit Tagen weil ich mich frage. Musste sie so handeln um ihrem Stil treu zu bleiben und hat sie auf Grund dessen keinen Gedanken an die Gegühlswelt andere verschwendet.

        Wir werden das wohl nicht erfahren, denn wie du schreibst. Das Leben ist uu schade für eine weitere Verabredung dieser Art.
        Und ich nehme daraus mit das ich vielleicht auch „viel“ mehr mein Kind in den Fokus stelle so wie du es bei Ole auch bereits geschrieben hast und ein solches Date vielleicht aus eigenen Stücken beende. Mit einer höflicheren Variante.

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      • Ich denke, da nimmst du dir etwas sinnvolles vor. Und warum die andere Mutter zu diesem Zeitpunkt so zurückhaltend war, weiß man nicht. Wer weiß, was sie für einen Hintergrund hat, was sie erlebt hat. Du könntest sie natürlich fragen, anderseits seit ihr ja nur bekannt und nicht befreundet, wenn ich das richtig verstanden habe… ob sie wirklich konsequent unerzogen lebt, kann man nach dieser Szene auch nicht sagen. Vielleicht ist sie auch einfach unempatisch oder hat andere Beweggründe.

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  2. Ich wollte hier schon längst mal schreiben, hab es aber irgendwie einfach noch nicht geschafft. 🙈

    Ich finde deine Gedankengangänge toll, wie sehr ihr euch damit auseinandersetzt und wie schön ihr mit Ole umgeht. 💕

    Ich glaube man muss ganz vieles individuell aufs Kind „anpassen“ und es gibt nicht „die eine richtige Art“.
    Wir gehen mit Madita prinzipiell sehr bedürfnisorientiert um und sie darf auch sehr vieles selber entscheiden. Das Wort „Erziehung“ finde ich persönlich auch ganz schrecklich.
    Von Unerzogen habe icb schon häufiger gehört und auch schon ein paar Artikel gelesen und finde vieles davon toll und einiges läuft bei uns auch ganz genauso.
    Was bei mir aber hängen geblieben ist und – mMn echt nicht geht: Bei Unerzogen ist man der Meinung, wenn Kinder etwas partout nicht möchten, dann macht man das nicht. Ich erinnere mich an das konkrete Zitat „kaputte Kinderzähne kann man heilen, Schäden an der Kinderseele nicht“.
    Da bin ich dann ehrlich gesagt raus. 😅🙈 Denn das sehe ich ganz klar anders. Und ich glaube ein Zahnarzttermin bei dem schwer kariöse Zähne behandelt werden müssen ist deutlich traumatischer für Kinder als das 2x tägliche Zähneputzen.
    Wir haben hier aber auch echt großes Glück, Madita kann man Sachen super erklären und dann läuft es (meistens) auch. Beim Zähneputzen haben wir ihr von Karius und Baktus erzählt und Zähneputzen damit spielerisch gestaltet und das klappt gut.

    Unsere Kita ist generell auch sehr bedürfnisorientiert und die Kinder dürfen sehr vieles selber entscheiden. Sie arbeiten offen und leben das auch und das klappt gut und ich mag das Konzept auch sehr.
    Wobei ich auch hier glaube, dass das nicht unbedingt für jedes Kind passt.
    Und es gibt Grenzen. Eine Erzieherin z. B. wechselt die Windeln nur, wenn die Kinder das auch möchten. Es gibt ein Kind in Maditas Gruppe, dass noch Windeln trägt und manchmal den ganzen Tag mit derselben Windel rum läuft und sogar schon einen wunden Po bekommen hat, weil die Erzieherin nicht gegen seinen Willen die Windel wechseln wollte.
    Ich finde es sehr gut, dass sie darauf achten möglichst nichts gegen den Willen der Kinder zu machen – Gerade bei so einem sensiblen Thema. Aber es gibt dann eben doch auch Grenzen. Und es gibt leider Dinge, die gemacht werden müssen – auch gegen den Willen der Kinder. Mir ist die Art und Weise dann einfach sehr wichtig.

    Wir erklären wirklich sehr viel, gehen sehr liebevoll mit Madita um und versuchen immer Kompromisse zu finden, die für alle stimmig sind. Immer klappt das leider nicht. Und ja, manchmal wird es dann so gemacht, wie die Erwachsenen es sagen. Weil wir manche Dinge verstehen, die sie einfach noch nicht versteht. Oder sie manchmal einfach so müde bockig ist, dass nichts mehr geht und wir halt „durchgreifen“ müssen.
    Aber wir versuchen dann trotzdem weiter im Dialog mit ihr zu bleiben bzw es dann wieder zu sein, wenn es wieder geht. Ich erkläre ihr nach Dingen, die sie wütend gemacht haben immer, warum ich diese Dinge so und so gemacht habe etc.

    Ich könnte hier noch so vieles schreiben,was mir zu dem Thema so durch den Kopf geht. 😅

    Ich lese mir gerne und viel zu solchen Sachen durch, weil ich auch immer nach neuen / besseren Lösungen für für uns schwere Situationen bin.

    Und ich finde so wie ihr es bei Ole macht, klingt das richtig richtig gut! Und sicher auch nicht immer einfach. So vom Lesen glaube ich ehrlich gesagt, dass wir es da mit Madita schon einfacher haben. 🙈 Sie ist auch sehr willensstark, aber so extrem auch wieder nicht. 🙈

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag. ☺️

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    • Hallo Frieda ,

      und vielen lieben Dank für dein Lob und den ausführlichen Kommentar! 😄 Ich stimme dor zu, dass man als Eltern- unerzogen hin oder her- keine körperlichen Schäden in Kauf nehmen sollte. Zum Glück ist Zähneputzen bei uns auch unproblematisch, und wenn ich dann alle paar Wochen einmal nicht putze, ist das für mich ok. Haarewaschen ist da ein größeres Thema und „darf“ von Ole zweimal verschoben werden (also das weiß er nicht, aber das ist meine Grenze, damit ich nicht zu früh durchgreife). Tatsächlich ist es bei uns phasenweise sehr unterschiedlich- in guten Phasen kann man ihm echt alles erklären und in „schlechten “ drehe wir halt gemeinsam am Rad. 😅

      Aber solange ich bzw. er von außen nicht verurteilt werde /wird – was leider immer wieder vorkommt – geht es mir damit auch ganz gut .

      Liebe Grüße
      Frau Mutterherz

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  3. Jetzt muss ich doch nochmal schreiben, weil grade was lustiges „passiert“ ist: Ich habe mich von einer Instainfluencerin dahingehend influencen lassen, einen Newsletter zu abonnieren mit der 5-Tages-Chlenge „Scheiß auf die innere Mitte!“ Und beim betätigen eben, sehe ich so „Ruth“, „Der Kompass“… und irgendwas klingelt da so in meinem Kopf. Schnell nochmal hier her gekommen… Tadaaa… Das ist jetzt aber schon lustig. Weil es thematisch erstmal echt nicht um „unerzogen“ geht, sondern um mehr Gelassenheit im Elternalltagswahnsinn. Verrückt!!!!

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  4. Ein toller Beitrag, danke! Meine kleine Terrornudel ist glaube ich auch sehr willensstark und ich versuche auch größtenteils (fast schon unbewusst) das Konzept unerzogen. Deswegen ja auch mein großes Problem mit der Kita grade, weil ich das Gefühl habe, es geht darum ihren Willen zu brechen anstatt daran zu arbeiten, dass sie sich dort wohl fühlt und aufhört zu brüllen… Wie kommt ihr denn insgesamt mit eurem Konzept und der Kita im Allgemeinen klar – von den dämlichen anderen Müttern mal abgesehen 🙄🙄🙄 ?

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    • Das ist total interessant, Ole kommt dort mega gut klar. Er macht alles bei der ersten Aufforderung, hört gut und steht sehr auf die Stempel als Belohnung fürs Aufräumen… wobei unsere Erzieherinnen schon auch viel erklären – zumindest den Kindern, die das kennen und bei denen es was bringt. Ich habe viel positive Rückmeldung von der Kita bekommen.

      Wenn er – z.B. jetzt in der Urlaubszeit eine andere Erzieherin hat und eine große Anpassungsleistung bringen musste, dann ist er zuhause „schwieriger“. Auch wenn er z.B. von den Großeltern kommt… da hört er manchmal 2 Stunden gar nicht,🙈 aber wenn er dann wieder „aufgetankt“ hat, klappt es gut.

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  5. Ich habe deinen Beitrag gerne gelesen und finde deine reflektierte, unkomplizierte Art, darüber zu schreiben, toll.
    Mich befremdet etwas die Erwartung anderer Mütter (oder allgemein: Eltern?), dass man sein eigenes Kind streng maßregelt, wenn es auf dem Spielplatz vermeintlich etwas „falsch“ macht, oder dass Erzählungen wie „mein Kind sagt, dein Kind hätte es im schon wieder Kindergarten gehauen“ einem als Mutter vorgetragen werden. Das kenne ich so aus meinem kinderhabenden Umfeld gar nicht. Stelle es mir aber anstrengend vor 😦 Jedenfalls gut, da nicht mehr mitzumachen 😉
    Wir haben auch Kinder (6 und 3 Jahre), denen man nicht einfach sagen kann, was sie sollen, und die tun das dann. Aber was soll das auch – so würde ich auch nicht behandelt werden wollen. Die Kinder sollten eine wichtige Verhaltensregel grundsätzlich verstehen und nachvollziehen können, also muss man erklären…

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    • Vielen Dank! Ich kann es mir auch nicht erklären, außer dass vielleicht manche Eltern von „ruhigen“ Kindern, das angepasste Verhalten ihrer Erziehung zuschreiben und nicht dem Temperament des Kindes. Und dann kommt es zu dem logischen Fehlschluss, dass doch mit „mehr Strenge “ auch ein willenstärkeres Kind zu formen/erziehen sei. Dass diese Kinder aber einfach ein anderes Grundtemperament haben und dementsprechend immer mehr auffallen, dass nehmen Eltern, die das nicht kennen, vielleicht auch nicht wahr.

      LG

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      • Ich habe gerade eben erst deinen vorigen Beitrag gelesen… ganz schön unangenehm (unfassbar?!), was da abging, aber vielleicht nicht schlecht, dass diese Runde so beendet ist – wenn du einen nicht unwesentlichen Teil deiner Freizeit mit solchen Spieldates verbringst, ist es schon auch wichtig, dass du dich in der Runde mit den anderen Eltern wohl fühlst. Solange die Spieldates begleitet werden müssen. Irgendwann können die Kinder das dann alleine, das macht vieles sicher einfacher.

        Ich stimme dir zu, vielleicht haben viele Eltern einen vergleichenden Blick (andere Kinder mit dem eigenen zu vergleichen), wundern sich über abweichendes Verhalten und vermuten Ursachen im „Erziehungsstil“ der Eltern. Statt die enorme Vielfalt an Charakteren toll und bereichernd zu finden. Letztens sind wir im Biergarten einem ca. Vierjährigen Jungen begegnet, der wirklich sehr aktiv Kontakt zu uns (hauptsächlich unseren Kindern) gesucht hat und immer wieder ankam, obwohl sich seine Mutter gewünscht hat, dass er zum Essen bei ihr sitzen bleibt. Ich war versucht, das nervig zu finden, aber dann ging mir auf, dass er wahrscheinlich einfach sehr extrovertiert ist und deshalb ständig Kontakte sucht und er nicht das Gefühl bekommen sollte, in seiner Persönlichkeit abgelehnt zu werden. Hat für mich gut geklappt und es war eine nette Begegnung. Kann mir aber sehr gut vorstellen, dass man das ohne diesen Blick auf sein „Temperament“ so interpretieren könnte, als hätte die Mutter ihr Kind „nicht im Griff“.

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      • 😅 Das klingt, als hättest du uns getroffen. Tatsächlich würde unser Sohn sich so verhalten, auch weil er nunmal Einzelkind ist und z.B. i Urlaub seine Freunde vermisst. Mittlerweile fragt er mich manchmal, ob er zu den anderen gehe „darf“, was ich teilweise auch etwas traurig finde. Aber er hat schon gelernt, dass das nicht jeder will. Ich habe auch schon verletzende Kommentare von Leuten gehört, wo ich mich dann schon manchmal frage, warum man von Dreijährigen „angepasstes Verhalten “ verlangt.

        Schön, dass du da locker reagiert hast. Im Namen der anderen Mama sage ich DANKE! 😍

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  6. Man soll den Kindern „Wurzeln und Flügel“ geben. Daran versuche ich mich zu halten. Kinder brauchen Regeln und es gibt keine Familie ohne (irgendwann reicht es einem, wenn das Kind dauernd vom Tisch springt). Mein Ältester ist ebenfalls willensstark und mit sechs Jahren schreit er viel, wenn man ihm etwas verbietet. Irgendwann habe ich verstanden, dass er schreit, um gehört zu werden und versuche mich dann ihm aktiv zuzuwenden und zuzuhören. Wir haben abends Situationen, wo er drüber ist und uns einfach ärgert. Dieses „Ärgern“ ist für ihn ein Spiel (um Aufmerksamkeit?) und wir müssen uns bemühen, nicht aggressiv zu antworten. Bin da echt sauer auf meinen Mann, weil er oft miteinsteigt und ihn dann doch grob anfasst oder schlägt. Erkläre ihm dauernd, dass wir vom Kind nicht verlangen können, dass es uns nicht schlägt und tritt, wenn wir es ihm aber vorleben. Dazu setzt es eine Gewaltspirale in Gang. Ich erkläre stattdessen dem Kind, dass ich nicht weiter spielen möchte und frage, was er eigentlich will? Was soll geschehen? Wir erklären auch viel, nur wenn er wütend ist, ist er für Argumente nicht zugänglich. Dann lieber kurz und bündig. Ich wurde von den anderen Müttern auch komisch angeschaut, weil ich ihn im Winter nicht in seine Jacke gezwungen habe. Es hat super funktioniert, da er selber gemerkt hat, dass es draußen kalt ist und sie dann anziehen wollte. Dazu schwitzt er viel und ist mit anderen Kindern nicht vergleichbar. Im Ganzen ist es eine Gratwanderung auf seine Vorstellungen zu bestehen und durchzusetzen, aber dabei den Willen des Kindes nicht zu brechen. Die Erzieherin aus der Kita meinte zu mir auch, er habe Probleme sich an Regeln/Abläufe zu halten. Andererseits möchte man später starke, eigenverantwortliche Persönlichkeiten. Ein Kreuz mit dem Kreuz. Bin nun mal auch der Meinung, dass nur die bedürfnisorientierte Beziehung zu glücklichen Erwachsenen führt (hab es auch anders erlebt, und ich heute mit Ängsten und einem geringen Selbstbewusstsein zu kämpfen habe). Euch weiterhin alles Gute!

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    • Vielen lieben Dank für deinen ausführlichen und sehr persönlichen Kommentar! Respekt, dass die das so schaffst und es als Investition in die Zukunft sehen kannst, ich weiß, wie schwer das manchmal ist!

      Alles Liebe für euch und weiterhin Gleichmut und gute Nerven!

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  7. Ehrlich gesagt habe ich den Beitrag nicht ganz gelesen, er ist ziemlich lang. Aus eigener Erfahrung kann ich dir nur sagen: Höre auf deine Intuition, dein Gefühl. Du machst dir mega viele Gedanken.

    LG
    Tina

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      • Ja, das kenne ich von mir auch. Das kann in der Kindererziehung aber auch kontraproduktiv sein. Ich habe für mich gemerkt, dass ich da ganz viel über meine Intuition regel. Sollte nur ein Denkanreiz sein😌.

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  8. Interessanter Beitrag. Einiges von dem du geschrieben hast praktiziere ich selbst. Anderes wäre bei Wurzelgnom undenkbar. Ich habe die Erfahrung gemacht, umso mehr ich uhn entscheiden lasse desto unsicherer und wütender wird er. Überdorderubg pur und er nimmt mich zudem als Elternteil nicht mehr ernst. Die Mama fragt, weil sie es selbst nicht besser weiss. Ganz schlecht. Daher entscheide zunächst immer ich. Wenn er mir dann sagt, es gefällt ihm nicht und er hätte gern etwas anderes… Dann gehe ich darauf ein. Bei anderen Sachen gibt es bei mir dann auch eher weniger Raum für Diskussionen. Thema Zähne z. B die werden geputzt. Ob er will oder nicht. Die Einsicht, was passiert, wenn er es nicht machen mag, weiss er zu 100 Prozent. Der Witz ist, sage ich Dan, in Ordnung, dann eben nicht.. Habe ich letztlich dasselbe Geschrei, als würde ich es einfach tun. Mit dem Unterschied, dass ich statt 15 Minuten ca eine Stunde da stehe. Ergo… Ich nehm die 15 Minuten. Glücklicherweise kommt das jetzt nur noch selten vor. 😅 Ich handele meist intuitiv. Und ich lasse ihn auch manchmal einfach stehen. Damit wahre ich meine eigenen Grenzen. Lieber versuche ich es in 10 Minuten noch mal, bevor ich meinem Kind Sachen sage, die man hinterher nicht mehr zurück nehmen kann. Das sind aber letztlich nur Moment Aufnahmen und sie sind auf unser familiengefüge zugeschnitten. Sie funktionieren oder nicht und entwickeln sich stetig weiter. 🤷‍♀️

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    • Ja tatsächlich gibt es auch Kids, die gerne mehr Führung haben. Wobei es wie schon geschrieben grundsätzlich erstmal um die Haltung geht und weniger um die Handlung, denn Handlungen sind ja immer situativ. 😄

      LG

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      • Jepp. Ich versuche es generell auch eher kommunikativ zu regeln bzw Kompromisse zu finden. Aber wenn die Situation es nicht zulässt, dann ist, daß gerade einmal so.

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  9. Hey. Habe ja auch zwei willensstarke Kinder und habe mich deshalb auch zu unerzogen entwickelt. Wobei ich es, genau wie du, so anwende wie es für uns passt, ich bin generell gegen jede Art von Dogmatismus, sondern dafür immer seinen eigenen Weg zu finden. Habe dazu auch Mal was ganz kurzes geschrieben:

    Unerzogen was meine ich überhaupt damit?

    Runtergebrochen auf einen Satz bedeutet es für mich folgendes:

    Ich behandel Kinder wie vollwertige Menschen

    Ich versuche nicht sie in eine bestimmte Richtung zu (er)ziehen. Ich handel niemals aus Prinzip, sondern immer aus dem Moment heraus. Dabei behalte ich als Erwachsener immer die Verantwortung für das miteinander,
    soll heißen, wenn ich wütend, frustriert oder traurig bin hat nicht das Kind ’schuld‘ daran.
    Ich erachte die Bedürfnisse und Grenzen der Kinder und meine eigenen als gleichwertig und wäge sie gegeneinander ab. Ich vermeide es die Macht die ich über sie habe, resultierend aus ihrem Abhängigkeitsverhältnis mir gegenüber, für Nichtigkeiten zu missbrauchen. Ich wahre ihre Integrität, indem ich sie über Dinge, die ihren Körper befreffen, wie zb Essen, schlafen, Hygiene, Klamotten weitestgehend selbst bestimmen lasse und versuche nicht ständig korrigierend und belehrend in ihr Handeln einzugreifen.

    Gelingt mir das immer? Nö. Aber immer öfter.
    Da ich, genau wie fast alle Menschen die jetzt gerade Eltern sind, völlig anders aufgewachsen bin, falle ich regelmäßig in erziehendes und das Kind abwertendes Verhalten zurück. Und natürlich hat diese Art von Beziehungsarbeit ordentlich Konflikt Zündstoff. Aber es fühlt sich absolut richtig und für alle Beteiligten bereichernd an. Es ist die Gelegenheit, für einen selber, mal so richtig in sich drinnen aufzuräumen, auszumisten, Verantwortung zu übernehmen und das innere Kind in den Arm zu nehmen anstatt es anzupöbeln.

    #unerzogen #adultismus #beziehungstatterziehung

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    • Liebe Trista,

      Danke für diesen tollen Kommentar. Du hast es einfach so schön auf den Punkt gebracht! Kinder als vollwertige Menschen zu behandeln,trifft es auch für mich! Und auch das mit dem inneren Kind kenne ich. 😘

      Wie kommt diese Haltung denn in deinem Umfeld an?

      Liebe Grüße

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      • Mittlerweile kommt mein Umfeld ganz gut damit zurecht bzw ich selbst bin mir einfach sicher und zweifelnde Blicke oä finde ich eher amüsant, wenn ich zb meine Kinder barfuß Rum laufen lasse mit dem Hinweis dass sie einfach bescheid sagen sollen wenn es ihnen zu kalt wird oder mein Sohn mit Enten Füßen Schuhen rumläuft weil er das gerade witzig findet. Es gibt natürlich auch Tage an denen ich selber nicht gut drauf bin und schlechter damit umgehen kann, aber das geht konservativ erziehenden ja auch so. Meine Mutter hatte anfänglich Probleme damit, hat aber mittlerweile mehrfach betont dass sie es super findet wie ich mit den Kindern umgehe und merke auch dass sie viel entspannter im Umgang mit ihnen geworden ist. Mit der Krippe und dem Kindergarten hatte ich einige Probleme und musste mir regelmäßig anhören dass ich konsequenter sein soll etc. Ich habe dann den Kindergarten gewechselt weil es einfach nicht geklappt hat und meine Kinder sich auch sehr unwohl dort gefühlt haben.
        Mein ‚ex‘ Mann ist jetzt auch nicht super streng aber schon eher erziehend. Wir machen das Wechselmodell, also betreuen die Kinder zu gleichen Teilen. Seit der Trennung ist es viel besser geworden, er macht sein Ding und ich meins. Ich glaube und die Kinder profitieren davon, weil sie merken, wie unterschiedlich Menschen sind.
        Ich denke wenn man selber mit seinem Weg im reinen ist, strahlt man dass auch aus und das Umfeld ist dann eher positiv überrascht.

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